Unsere kleine Farm (Little House on the Prairie) ist eine US-amerikanische historische Familienserie, die am 9. Juli 2026 auf Netflix veröffentlicht wurde. Die erste Staffel umfasst acht Episoden mit einer Laufzeit von ungefähr 42 bis 57 Minuten. Eine zweite Staffel wurde bereits vor der Premiere bestellt.
Die Neuverfilmung basiert auf den autobiografisch geprägten Kinderbüchern von Laura Ingalls Wilder, die ab 1932 veröffentlicht wurden. Im Mittelpunkt steht insbesondere ihr 1935 erschienener Roman Little House on the Prairie, der das Leben ihrer Familie in Kansas beschreibt.
Entwickelt wurde die Serie von Rebecca Sonnenshine, die auch als Showrunnerin fungiert. Die Hauptrollen übernehmen Luke Bracey als Charles Ingalls, Crosby Fitzgerald als Caroline Ingalls, Alice Halsey als Laura und Skywalker Hughes als Mary. Warren Christie spielt den Nachbarn John Edwards. Zum weiteren Ensemble gehören unter anderem Jocko Sims, Meegwun Fairbrother und Alyssa Wapanatâhk.
Bereits von 1974 bis 1983 wurde die Geschichte durch die gleichnamige Fernsehserie mit Michael Landon und Melissa Gilbert weltbekannt. Allerdings entfernte sich schon diese Verfilmung in vielen Punkten von den Büchern. Die Netflix-Version orientiert sich wieder stärker an der ursprünglichen Reise der Familie, erweitert die Erzählung jedoch bewusst um zusätzliche Figuren und Perspektiven.

Im Jahr 1869 verlässt die Familie Ingalls ihre bisherige Heimat in Wisconsin und macht sich auf den Weg nach Kansas. Charles und Caroline Ingalls hoffen, dort ein neues Leben aufbauen und ihren beiden Töchtern Laura und Mary eine bessere Zukunft ermöglichen zu können.
Die Reise führt sie durch weitgehend unerschlossene Landschaften. Als sie schließlich einen geeigneten Ort finden, beginnen sie mit dem Bau eines einfachen Blockhauses. Doch der Traum vom eigenen Stück Land erweist sich als wesentlich schwieriger als erwartet.
Die Familie muss mit Krankheiten, unberechenbarem Wetter, wirtschaftlicher Unsicherheit und den alltäglichen Herausforderungen eines Lebens ohne moderne Infrastruktur zurechtkommen. Gleichzeitig entstehen neue Freundschaften und Beziehungen zu anderen Siedlern.
Besonders für die junge Laura ist diese neue Welt voller Entdeckungen. Während ihre ältere Schwester Mary häufig vorsichtiger und pflichtbewusster handelt, begegnet Laura ihrer Umgebung mit Neugier, Abenteuerlust und gelegentlichem Übermut. Die Unterschiede zwischen den beiden Mädchen sorgen immer wieder für kleinere Konflikte.
Doch die Ingalls sind keineswegs die ersten Menschen in dieser Gegend. Das Land gehört zum Gebiet der Osage, die dort bereits seit Generationen leben. Während die Siedler auf eine neue Heimat hoffen, bedeutet ihre Ankunft für die indigene Bevölkerung eine zunehmende Bedrohung.
Die Serie erzählt deshalb nicht ausschließlich aus der Perspektive der Familie Ingalls. Auch die Osage und ihre Gemeinschaft erhalten eigene Handlungsstränge. Dabei wird deutlich, dass die Besiedlung des amerikanischen Westens nicht nur eine Geschichte von Mut, Entbehrungen und Neuanfängen war, sondern ebenso von Vertreibung, Vorurteilen und der Missachtung der Rechte indigener Völker.
Unsere kleine Farm ist grundsätzlich eine wirklich gelungene Serie. Die Landschaftsaufnahmen, die Ausstattung und die Darstellung des einfachen Lebens im 19. Jahrhundert schaffen eine Atmosphäre, in die man schnell eintauchen kann. Besonders interessant finde ich die Einblicke in den damaligen Alltag. Wie viel Arbeit bereits die einfachsten Dinge erforderten, wie abhängig die Menschen von der Natur waren und wie schwierig es sein konnte, sich fernab größerer Siedlungen eine Existenz aufzubauen, wird sehr anschaulich vermittelt.
Dabei zeigt die Serie auch Seiten der amerikanischen Geschichte, die alles andere als schön sind. Besonders der Umgang mit den indigenen Völkern Nordamerikas spielt eine wichtige Rolle. Die Besiedlung des Westens bedeutete für die einen Hoffnung auf ein besseres Leben, für die anderen jedoch den Verlust ihrer Heimat und ihrer Lebensgrundlage.
Ich finde es richtig, dass die Neuverfilmung diese Perspektive nicht ausblendet. Die Geschichte der amerikanischen Pioniere lässt sich schließlich nicht erzählen, ohne auch die Menschen zu berücksichtigen, die bereits lange vor ihnen dort lebten. Gerade die Begegnungen zwischen den Siedlern und den Osage machen deutlich, wie unterschiedlich dieselben historischen Ereignisse wahrgenommen werden konnten.
Allerdings liegt genau in der Modernisierung der Geschichte auch mein größter Kritikpunkt.
Unsere kleine Farm basiert auf den Büchern von Laura Ingalls Wilder, die ihre eigenen Kindheitserinnerungen literarisch verarbeitete. Diese Bücher entstanden in einer anderen Zeit und spiegeln sowohl die damaligen Lebensumstände als auch die persönlichen Ansichten ihrer Autorin wider. Nicht alles daran entspricht unseren heutigen Vorstellungen von Gleichberechtigung, gesellschaftlichem Zusammenleben oder dem Umgang mit anderen Kulturen.
Doch gerade das gehört für mich zu einer historischen Geschichte dazu.
Natürlich müssen rassistische Darstellungen oder Vorurteile nicht unkritisch übernommen werden. Es ist sogar sinnvoll, sie einzuordnen und auch den Menschen eine Stimme zu geben, die in der ursprünglichen Erzählung kaum zu Wort kamen. Etwas anderes ist es jedoch, wenn man versucht, Figuren und gesellschaftliche Vorstellungen so stark an heutige Werte anzupassen, dass die damalige Lebenswirklichkeit zunehmend in den Hintergrund rückt.
Eine historische Serie sollte meiner Meinung nach nicht nur zeigen, wie wir heute gerne auf die Vergangenheit blicken würden, sondern auch, wie die Menschen damals tatsächlich dachten und handelten. Gerade die Unterschiede zwischen damals und heute machen solche Geschichten schließlich interessant.
Die Netflix-Neuverfilmung bewegt sich hier auf einem schmalen Grat. Einerseits erweitert sie die ursprüngliche Geschichte um Perspektiven, die lange vernachlässigt wurden. Andererseits verändert sie Figuren und Handlungsstränge, um eine Erzählung zu schaffen, die stärker den Erwartungen eines heutigen Publikums entspricht. Dadurch entfernt sie sich teilweise von der literarischen Vorlage.
Für mich stellt sich deshalb die Frage, wie weit eine Neuverfilmung gehen sollte. Wenn man eine bekannte literarische Vorlage erneut adaptiert, darf man selbstverständlich neue Schwerpunkte setzen. Aber irgendwann erzählt man möglicherweise nicht mehr die Geschichte, die Laura Ingalls Wilder ursprünglich geschrieben hat, sondern eine moderne Geschichte, die lediglich ihre Figuren und ihren Schauplatz übernimmt.
Dabei darf man allerdings auch nicht vergessen, dass bereits die berühmte Fernsehserie aus den 1970er-Jahren zahlreiche Veränderungen vorgenommen hat. Auch sie war keine originalgetreue Umsetzung der Bücher, sondern eine Interpretation für das damalige Fernsehpublikum. Die neue Netflix-Version setzt diesen Ansatz gewissermaßen fort, nur mit anderen gesellschaftlichen Schwerpunkten.
Trotz meiner Kritik an dieser Modernisierung hat mir Unsere kleine Farm sehr gut gefallen. Die Serie ist unterhaltsam, atmosphärisch und vermittelt interessante Einblicke in eine Zeit, die sowohl von Zusammenhalt und Hoffnung als auch von großen Ungerechtigkeiten geprägt war.
Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass man der ursprünglichen Vorlage und dem historischen Denken ihrer Figuren an manchen Stellen stärker vertraut hätte. Denn Geschichte wird nicht dadurch verständlicher, dass wir sie nachträglich unseren heutigen Vorstellungen anpassen. Viel interessanter ist es doch, zu erkennen, wie anders die Menschen damals lebten, welche Überzeugungen sie hatten und was wir aus ihren Fehlern lernen können.
Mal schauen, was die nächsten Staffeln bereithalten.