Der Witwer: Bis dass der Tod uns scheidet

Der Witwer: Bis dass der Tod uns scheidet ist ein US-amerikanischer True-Crime-Dokumentarfilm aus dem Jahr 2026. Im Original trägt er den Titel The Widower: ‚Til Death Do Us Part und wurde am 30. September 2026 bei Netflix veröffentlicht. Der Film hat eine Laufzeit von 91 Minuten und wurde von Chris Smith inszeniert, der unter anderem bereits an True-Crime- und Dokumentarproduktionen wie Tiger King und Fyre beteiligt war.

Produziert wurde die Dokumentation von Library Films und NBC News Studios. Eine zentrale Rolle spielt der NBC-Journalist und Executive Producer Dan Slepian, der sich über viele Jahre mit Thomas Randolph und dessen Vergangenheit beschäftigte. Gemeinsam mit dem Ermittler Dean O’Kelley zeichnet er den ungewöhnlichen Kriminalfall nach. Dafür greift der Film auf Ermittlungsunterlagen, Archivmaterial, Gespräche mit beteiligten Personen und vor allem umfangreiche Aufnahmen von Randolph selbst zurück.

Dadurch handelt es sich weniger um eine klassische True-Crime-Dokumentation, in der Außenstehende lediglich einen alten Fall rekonstruieren. Slepian hatte über Jahre direkten Kontakt zu Randolph und konnte ihn immer wieder interviewen. Gerade diese Aufnahmen geben dem Film einen besonderen Einblick in einen Mann, der offenbar ausgesprochen gerne redete und sich auch angesichts schwerster Vorwürfe erstaunlich wohl vor der Kamera fühlt.

Der Fall

Am 8. Mai 2008 wird Sharon Causse im gemeinsamen Haus mit ihrem Ehemann Thomas Randolph in Las Vegas erschossen. Im Haus befindet sich noch eine zweite Leiche: Michael Miller, ein Mann, den Randolph kannte.
Randolph behauptet gegenüber der Polizei, Miller habe seine Frau während eines Einbruchs erschossen. Er selbst habe den Eindringling anschließend entdeckt und getötet. Doch die Ermittler beginnen an dieser Geschichte zu zweifeln. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte Randolph Miller vielmehr dafür angeworben, Sharon zu ermorden und die Tat wie einen Einbruch aussehen zu lassen. Anschließend tötete Randolph auch Miller. Als Motiv spielte unter anderem eine hohe Lebensversicherung auf Sharon eine Rolle.
Bei der Untersuchung von Randolphs Vergangenheit entdecken die Ermittler schließlich ein auffälliges Muster. Randolph war insgesamt sechsmal verheiratet und vier seiner Ehefrauen sind verstorben.
Besonders interessant wird der Tod seiner früheren Ehefrau Becky Gault. Sie starb 1986 durch einen Schuss und ihr Tod wurde als Suizid eingestuft. Randolph wurde trotzdem wegen ihres Todes angeklagt, damals jedoch freigesprochen.
Seine erste Ehefrau Kathryn Thomas überlebte ihre Ehe mit ihm und berichtete später von Drohungen und psychischer Gewalt. Auch Gayna Allmon, eine weitere ehemalige Ehefrau, überlebte und sagte später gegen ihn aus. Francis Randolph starb nach einer Herzoperation, während Leona Stapleton nach der Trennung von Randolph an Krebs starb. Besonders bei Francis äußerten Angehörige später Zweifel an den Umständen ihres Todes.
Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Die auffällige Zahl verstorbener Ehefrauen macht Randolphs Vergangenheit zu einem wesentlichen Bestandteil der Ermittlungen, bedeutet aber nicht, dass ihm vier Morde an Ehefrauen nachgewiesen wurden. Verurteilt wurde er wegen der Morde an Sharon Causse und Michael Miller.
2017 wurde Randolph erstmals schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. 2020 hob der Supreme Court of Nevada dieses Urteil wegen eines Verfahrensfehlers auf. Das bedeutete keinen Freispruch, sondern führte zu einem neuen Prozess.
2023 wurde Randolph erneut schuldig gesprochen. Im folgenden Jahr erhielt er eine Strafe von insgesamt 60 Jahren bis lebenslänglich. Damit endete ein juristischer Kampf, der sich über viele Jahre hingezogen hatte.

Der Fall selbst ist ohne Frage außergewöhnlich und Der Witwer: Bis dass der Tod uns scheidet besitzt einen großen Vorteil: Thomas Randolph kommt selbst ausführlich zu Wort. Dadurch muss man sich nicht ausschließlich auf die Beschreibungen anderer Menschen verlassen, sondern kann sein Auftreten selbst beobachten.

Und dabei konnte ich einen Gedanken irgendwann nicht mehr loswerden. Randolph erinnert mich verblüffend an einen anderen sehr berühmten Amerikaner. Es ist nicht nur eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit. Gesichtsausdrücke, Mimik, die Art zu sprechen und teilweise auch die Persönlichkeit, die er nach außen trägt, wirken stellenweise erstaunlich vertraut. Der entscheidende Unterschied ist nur: Der eine verottet im Gefängnis, während der andere im Weißen Haus sitzt.

Bei der eigentlichen Aufarbeitung des Falls fehlt mir dagegen die Tiefe. Die Dokumentation erzählt sehr ausführlich von Randolphs Ehen, den Todesfällen, den Ermittlungen und seinen Gerichtsverfahren. Über den Menschen vor diesen Ereignissen erfahren wir dagegen erstaunlich wenig.

Seine Mutter kommt zwar vor, aber wie sah seine Kindheit tatsächlich aus? Welche Beziehung hatte er zu seinem Vater? Wie wurde er erzogen? Wie verlief seine Jugend und wann entwickelten sich die Verhaltensweisen, die später von Menschen in seinem Umfeld beschrieben wurden? War davon bereits früh etwas zu erkennen oder verlief sein Leben bis ins Erwachsenenalter vollkommen unauffällig?

Genau diese Fragen interessieren doch jeden bei True Crime. Dabei geht es nicht darum, eine Erklärung oder gar Entschuldigung für spätere Verbrechen zu finden. Eine schwierige Kindheit macht schließlich niemanden automatisch zum Täter und möglicherweise gab es bei Randolph überhaupt keinen außergewöhnlichen Auslöser. Aber genau das herauszufinden wäre interessant gewesen. Er zeigt und sagst selbst in der Dokumentation das er ein Narzist ist. Wie stark allerdings die Persönlichkeitsstörung dahinter liegt, kann nur ein Blick in die Vergangenheit sagen.

Mit 91 Minuten bleibt dafür eigentlich genügend Raum. Stattdessen konzentriert sich die Dokumentation sehr stark darauf, das belastende Gesamtbild gegen Randolph aufzubauen. Angesichts seiner Verurteilung ist nachvollziehbar, warum diese Beweise eine zentrale Rolle spielen, für ein wirklich umfassendes Porträt reicht mir diese Perspektive aber nicht.

Am Ende weiß ich sehr viel darüber, was Thomas Randolph getan hat und was ihm vorgeworfen wurde, aber immer noch erstaunlich wenig darüber, wer Thomas Randolph eigentlich war und wie er zu diesem Menschen wurde. Gerade bei einem so ungewöhnlichen Fall ist das für mich eine verpasste Chance.

Mein Eindruck, dass der Film nicht besonders umfassend ist, findet sich übrigens auch in der bisherigen Kritik wieder: Eine Rezension bezeichnet ihn ausdrücklich als weniger umfassend als die bereits existierende mehrteilige Dokumentation The Black Widower.

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