Der Fall Chompoo: Vermisst und vergessen trägt im Original den Titel Chompoo: Lost & Forgotten beziehungsweise den thailändischen Titel คดีชมพู่: เด็กหายที่ถูกลืม. Regie führte der thailändische Dokumentarfilmer Nontawat Numbenchapol. Die Dokumentation entstand als thailändisch-singapurische Produktion und wurde auf Netflix am 20. August 2026 als Dokumentation veröffentlicht.
Die dreijährige Chompoo verschwindet aus ihrem Zuhause im nordostthailändischen Mukdahan. Polizei, Rettungskräfte und zahlreiche freiwillige Helfer beginnen sofort mit der Suche nach dem Mädchen. Wälder und die Umgebung des Dorfes werden systematisch durchsucht und hunderte Menschen befragt. Nach 72h wird ihre Leiche 1,5km entdeckt und damit beginnt die Suche nach dem wie und warum.
Mit der Zeit wird der Fall zu einem nationalen Medienereignis. Besonders Chompoos angeheirateter Onkel Chaiphon Wipha, der in den Medien unter dem Namen „Onkel Phol“ bekannt wird, gerät in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Aus der Suche nach einem verschwundenen Kind entsteht beinahe ein eigenes mediales Spektakel rund um den Verdächtigen. YouTuber und andere Medienvertreter reisen an, um über ihn zu berichten, während die eigentliche Frage nach dem Schicksal des kleinen Mädchens zunehmend in den Hintergrund gerät.
Der deutsche Netflix-Titel „Vermisst und vergessen“ bringt dabei bereits das zentrale Thema der Dokumentation auf den Punkt. Es geht nicht nur darum, dass ein Kind verschwunden ist, sondern auch darum, wie ein solcher Fall nach Jahren aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden kann. Die Dokumentation stellt damit gleichzeitig Fragen nach Medienverantwortung, Sensationsjournalismus und der Rolle sozialer Medien bei realen Kriminalfällen.

Die interessanteste Seite am Fall Chompoo liegt darin, dass die Dokumentation nicht ausschließlich versucht, den Vermisstenfall nachzuerzählen. Stattdessen richtet sie den Blick auch auf die Menschen und Medien, die den Fall begleiteten. Dadurch wird deutlich, wie schnell die Suche nach einem verschwundenen Kind durch Spekulationen, Aufmerksamkeit und die Suche nach einer möglichst interessanten Geschichte überlagert werden kann.
Gerade die Entwicklung rund um „Onkel Phol“ ist dabei besonders bemerkenswert. Aus einem Angehörigen des verschwundenen Kindes wurde eine öffentliche Figur, der Medien und YouTuber enorme Aufmerksamkeit schenkten. Die Dokumentation macht dadurch sichtbar, wie leicht sich der Schwerpunkt eines realen Kriminalfalls verschieben kann: Statt ausschließlich nach Antworten zum Schicksal des Kindes zu suchen, interessiert sich die Öffentlichkeit plötzlich für eine Person und deren mediale Inszenierung.
Allerdings kann genau diese Perspektive auch eine Schwäche sein. Wer von der Dokumentation vor allem eine lückenlose Aufarbeitung des eigentlichen Vermisstenfalls oder eine eindeutige Auflösung erwartet, könnte enttäuscht werden. Der Film interessiert sich mindestens genauso sehr für die gesellschaftliche und mediale Reaktion auf den Fall wie für die kriminalistische Frage selbst.
Genau diesen Wandel nimmt die Dokumentation besonders kritisch unter die Lupe. Der Fall wird dadurch nicht nur zu einer Geschichte über ein verschwundenes Kind, sondern auch zu einer Untersuchung darüber, wie Medien, soziale Netzwerke und die Öffentlichkeit einen realen Kriminalfall verändern können.
Grundsätzlich ein spannender Fall. Wenn sie im Fall Maddie eine Dokumentation machen wäre das Ergebnis das selbe. Eine Katastrophe.
„Unsere Ermittlungen gälten als eine der modernsten der Welt … und unsere Geheimwaffe ist die Forensik.“ wurde in einer Pressekonferenz, ich nehme mal an von der Polizei ebenfalls in der Dokumentation gezeigt. Wie kann es dann sein, dass die Obduktion nicht klar wiedergeben konnte woran das Mädchen starb? Wie kann man denn nicht zwischen Gewalt und Dehydrierung unterscheiden? Es wird nicht erwähnt, ob sie äußerliche Verletzungen aufwies. Nur das keine sexuellen Handlungen vorgenommen wurden. Also ist dieTatsche, dass das Mädchen nackt oder teilweise nackt mit gespreizten Beinen gefunden wurde entweder gestellt oder ein extrem merkwürdig zufälliger Unfall.
Die Forensik findet Haare im Auto des Tatverdächtigen, bei dem die Kleine regelmäßig mitgefahren ist. Wow. Wenn das mal nicht Beweise sind… Lächerlich.
Die Kleine wurde am vierten Tag der Suche gefunden. Als Todesgrund wurde auch verhungern angegeben. Das ist noch weniger realistisch außer das Mädchen hat so schon kaum Essen bekommen. Und da nicht über verletzungen berichtet wurde ergibt Mord hier keinen Sinn. Sie konnte aber wohl kaum 1,5km allein in dieses gebiet gewandert sein also ist naheliegend das jemand sie dorthin gebracht hat. Ist sie dort abgeladen wurden und wude bewusstlos? Hingefallen? Ja unterlassene Hilfeleistung gehe ich voll mit.
Interessant war die Theorie mit dem Glaube an Opferung. Die Haare wurden ihr abgeschnitten. Die fand ich gar nicht mal so unschlüssig. Aber keine vorliegenden Beweise haben auf einen oder den Täter handfest hingewiesen. Hätten sie im Wald um das Mädchen herum seine Haare gefunden wäre ich mitgegangen.
Ich bezweifle dass Onkel Phol unschuldig ist. Allein schon die Zeugenaussagen und die damit verbunden Drohungen gegen die Augenzeugen wirken echt. Für ein Dorf das sich wie eine Familie gemeinsam Essen teilt und jeden Tag gemeinsam trotz Armut durchsteht erstaulich, wie man Eltern und eigentlich jedem plötzlich misstraut.
Am Ende bekam ich das Gefühl nicht los, dass nicht nur Onkel Phol sondern auch seine Frau und evtl. noch mehr im Dorf dahinterstecken. Das wird leider nie geklärt werden aber die Justiz, Polizei und Forensik in Thailand sind so hinterwältlerisch und schlecht in ihrer Arbeit, wie ich es zuletzt aus Portugal im Fall Maddie kannte.
Dazu muss ich wohl leider auch das Schönheitsideal Thailands in Frage stellen. Denn wie konnte dieser Onkel so ein großes mediales Interesse bewirken? Der Kriminologe in der Dokumentation ist da weitaus ansähnlicher.
Aber das nur mal so am Rande. Ich kenne das Rechtsystem in Thailand nicht und würde hier in Deutschland bis an den obersten Gerichtshof und darüber hinausgehen, bei diesen Indizien. Leider zeigt die Dokumentation auch, dass Thailand Strafmaße nicht dokumentiert. Keine Ahnung wie sowas im 21. Jahrhundert noch zulässig sein kann. Alleine schon die „Verurteilung wegen Manipulation der Leiche oder des Tatorts mit einem Jahr Gefängnis ist völliger Quatsch und ohne Beweise.“
Onkel Phol scheint es ja soweit ganz gut zu gehen. Ich musste erst googlen nach dem Täter, denn er hat keine Häftlingskleidung an und auch der Ort des Drehs mit ihm sieht nicht wie ein typisches Gefängnis aus.
Aber am Ende wurde ständig gesagt „Champoo hat Gerechtigkeit erfahren.“ Nur sieht Gerechtigkeit anders aus. Entgütlig und mit absoluter Klarheit. DIe gibt es in diesem Fall nicht.