Mit Mickey 17 nimmt Regisseur Bong Joon-ho, bekannt für Filme wie Parasite und Snowpiercer, das Science-Fiction-Genre auf seine ganz eigene Weise auseinander. Der Film verbindet Weltraum-Abenteuer mit schwarzem Humor, Gesellschaftskritik und einer ziemlich ungewöhnlichen Vorstellung vom menschlichen Leben. Im Mittelpunkt steht Mickey Barnes, gespielt von Robert Pattinson, der sich freiwillig für eine Mission zur Besiedlung eines fremden Eisplaneten meldet. Allerdings übernimmt er dort keinen besonders angesehenen Job: Mickey ist ein sogenannter „Expendable“ und damit im Grunde ein menschliches Wegwerfprodukt.
Seine Aufgabe besteht darin, gefährliche Arbeiten zu übernehmen, bei denen ein normales Besatzungsmitglied vermutlich nicht lange überleben würde. Stirbt Mickey, wird einfach ein neuer Körper mit seinen Erinnerungen hergestellt. Doch bei Mickey 17 läuft etwas schief. Als plötzlich eine weitere Version von ihm existiert, obwohl Mickey noch am Leben ist, gerät das gesamte System aus dem Gleichgewicht.
Mickey Barnes hat auf der Erde nicht gerade ein erfolgreiches Leben geführt. Nachdem sein Geschäft gescheitert ist und er bei einem gefährlichen Gläubiger Schulden hat, sucht er verzweifelt nach einem Ausweg. Gemeinsam mit seinem Freund Timo schließt er sich deshalb einer Weltraumexpedition an, die den Eisplaneten Niflheim besiedeln soll.
Auf dem Raumschiff übernimmt Mickey die Rolle eines sogenannten Expendable. Diese Menschen werden für Aufgaben eingesetzt, die besonders gefährlich oder sogar tödlich sind. Wenn Mickey stirbt, wird sein Körper mithilfe einer speziellen Technologie neu hergestellt. Der neue Mickey besitzt anschließend die Erinnerungen seiner vorherigen Version und kann seine Arbeit fortsetzen.
Für die Verantwortlichen ist das eine praktische Lösung. Für Mickey bedeutet es allerdings, immer wieder zu sterben und anschließend als neue Version seiner selbst weiterzuleben. Im Laufe der Mission wird Mickey dadurch mehrfach mit der Frage konfrontiert, was sein eigenes Leben eigentlich wert ist.
Bei einem gefährlichen Einsatz auf Niflheim gerät Mickey schließlich in eine Situation, aus der er eigentlich nicht zurückkehren dürfte. Als er trotzdem wieder auf dem Raumschiff auftaucht, stellt er fest, dass bereits ein neuer Mickey hergestellt wurde. Damit existieren plötzlich zwei Versionen derselben Person.
Das ist ein großes Problem, denn sogenannte „Multiples“ sind auf der Mission verboten. Mickey 17 muss deshalb gemeinsam mit Mickey 18 versuchen, ihre Existenz geheim zu halten. Gleichzeitig verschärft sich die Situation auf Niflheim. Die menschlichen Siedler haben mit zunehmenden Problemen zu kämpfen und geraten außerdem mit den einheimischen Kreaturen des Planeten aneinander.
Während Mickey versucht, seine eigene Existenz zu verteidigen, wird immer deutlicher, dass hinter der scheinbaren Kolonisationsmission auch ein politisches und gesellschaftliches System steckt, in dem einzelne Menschen erstaunlich wenig zählen.

Mickey 17 basiert auf dem Science-Fiction-Roman Mickey7 von Edward Ashton aus dem Jahr 2022. Bong Joon-ho war bereits vor der Veröffentlichung des Buches auf das Manuskript aufmerksam geworden und entwickelte daraus seine eigene filmische Version der Geschichte. Dabei wurden einige Elemente verändert und erweitert, weshalb Film und Roman nicht vollständig identisch sind.
Bong Joon-ho übernahm nicht nur die Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch. Es war sein erster Spielfilm nach dem internationalen Erfolg von Parasite, der 2020 unter anderem den Oscar für den besten Film und die beste Regie gewann.
Die Hauptrolle des Mickey Barnes übernimmt Robert Pattinson. An seiner Seite spielen Naomi Ackie als Nasha, Steven Yeun als Timo, Toni Collette als Ylfa und Mark Ruffalo als Kenneth Marshall. Gerade Ruffalos Figur ist dabei bewusst stark überzeichnet und sorgt für einen großen Teil des satirischen Humors.
Der Film wurde im Februar 2025 bei der Berlinale gezeigt und kam anschließend international in die Kinos. In Deutschland startete Mickey 17 am 6. März 2025. Mit einer Laufzeit von rund 137 Minuten ist der Film allerdings deutlich länger als eine klassische Science-Fiction-Komödie.
Interessant ist außerdem die Verbindung von Science-Fiction und politischer Satire. Die Mission wird von Kenneth Marshall angeführt, einem Politiker, der auf dem fremden Planeten eine neue Gesellschaft aufbauen möchte. Dabei werden Macht, autoritäres Denken, soziale Hierarchien und der Umgang mit Menschen, die als „nutzlos“ oder ersetzbar betrachtet werden, immer wieder thematisiert.
Hinter der ungewöhnlichen Klon-Geschichte steckt wesentlich mehr als die Frage, was passiert, wenn ein Mensch mehrfach existiert. Mickey 17 beschäftigt sich vor allem mit dem Wert eines einzelnen Lebens. Wenn ein Mensch einfach kopiert und nach seinem Tod ersetzt werden kann, verliert sein Leben aus Sicht des Systems scheinbar an Bedeutung.
Mickey wird genau deshalb für die gefährlichsten Aufgaben eingesetzt. Er ist ersetzbar und wird auch entsprechend behandelt. Die Geschichte stellt damit die Frage, ob eine Person weniger wert ist, nur weil eine technische Möglichkeit besteht, sie zu kopieren.
Auch Macht und Ausbeutung spielen eine wichtige Rolle. Die Menschen an Bord haben nicht alle denselben gesellschaftlichen Stellenwert. Während die Führungsebene ihre Vorstellungen von einer neuen Gesellschaft verfolgt, müssen andere Menschen die gefährlichen Konsequenzen tragen.
Hinzu kommt das Thema Identität. Wenn zwei Menschen denselben Körper, dieselben Erinnerungen und dieselbe Vergangenheit besitzen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wer von beiden eigentlich das „Original“ ist. Der Film nutzt diese Situation allerdings nicht nur für philosophische Überlegungen, sondern auch für viel schwarzen Humor.
Mickey 17 ist definitiv kein klassischer Science-Fiction-Film, der seine Geschichte möglichst geradlinig erzählt. Bong Joon-ho verbindet Science-Fiction, schwarze Komödie, Gesellschaftssatire und Abenteuer miteinander und überzeichnet viele seiner Figuren bewusst.
Robert Pattinson passt erstaunlich gut zu dieser ungewöhnlichen Hauptrolle. Mickey ist weder ein klassischer Actionheld noch ein besonders cleverer Weltraumforscher. Er ist vielmehr ein eher erfolgloser und unsicherer Mann, der in eine völlig absurde Situation gerät. Dass Pattinson gleichzeitig mehrere Versionen derselben Figur spielen muss, sorgt dabei für einige der unterhaltsamsten Momente des Films. Außerdem kann man dabei sein sprachliches Talent bewundern. Ich habe dabei speziell die original Audio gehört und fand es faszinierend.
Auch Mark Ruffalo und Toni Collette fallen mit ihren bewusst übertriebenen Figuren auf. Besonders Kenneth Marshall wirkt wie eine Karikatur eines machtbesessenen Politikers. Das passt zur satirischen Ausrichtung des Films, kann aber gleichzeitig Geschmackssache sein. Denn gleichzeitig erinnern bestimme Züge und Szenen sehr stark an den Film „Dont Look Up„.
Eine mögliche Schwäche ist die enorme Menge an unterschiedlichen Ideen. Mickey 17 möchte gleichzeitig eine Weltraumgeschichte, eine schwarze Komödie, eine Gesellschaftssatire, eine Geschichte über Identität und einen Film über Ausbeutung und Macht sein. Dadurch wirkt nicht jede Idee gleich ausführlich ausgearbeitet.
Auch das Tempo dürfte nicht jedem gefallen. Mit mehr als zwei Stunden Laufzeit nimmt sich der Film viel Zeit für seine Figuren, seine Welt und seine satirischen Nebenhandlungen. Wer hauptsächlich ein schnelles Science-Fiction-Abenteuer erwartet, könnte deshalb etwas Geduld brauchen.
Für mich ist gerade diese Mischung aber das Interessante an Mickey 17. Der Film versucht nicht, einfach nur eine weitere Weltraumgeschichte zu erzählen, sondern nimmt seine eigene verrückte Ausgangsidee zum Anlass, über den Wert des Menschen, Macht und gesellschaftliche Hierarchien nachzudenken. Gleichzeitig bleibt er dabei immer wieder absurd und komisch. Deshalb sollte man dem Film eine Chance geben.